22 Februar 2007

Dauerlauf in Heidelberg

Ich bin nach Heidelberg gefahren, um meine Fernbeziehung zu beenden. Allerdings nicht durch Beenden der Beziehung, sondern durch Beenden der Entfernung. Was bedeutet, daß wir morgen zusammen nach Berlin fahren und dann da bleiben. Für ein halbes Jahr, sagt meine Freundin. Für deutlich länger, hoffe ich.

Heute war ich daher ein letztes Mal als Jogger im Heidelberger Wald unterwegs. Bei dieser Gelegenheit würde ich gern darauf hinweisen, daß "Joggen" im Deutschen früher "Dauerlauf" hieß. Das ist ein schönes Wort, dessen Wiederbelebung ich befürworte. Übrigens ist das Wort "befürworten", wenn man mal genau hinsieht, auch eine hinreißende Konstruktion, der hinwiederum das Gegenteil fehlt. Vielleicht hat das jemand mal begegenwortet.

Beim Dauerlauf hört man natürlich Musik. Es gibt Lieder, deren Rhythmus wie geschaffen zum Laufen ist. Tanzmusik kennt jeder, Laufmusik ist ein unterschätztes Genre. Ein großartiges Stück Laufmusik heißt "Wicked Soul" und kommt von der Band KUBB. Wenn man es hört, dann kann man gar nicht anders, als beschwingt den Berg hinabzuhüpfen. Besonders, wenn man gerade den riesigen Gefallenenfriedhof besucht hat, der da so einsam im Wald liegt und so übermenschlich groß und leergeräumt aussieht, als käme er aus einem Stanley-Kubrick-Film.

Meine Dauer-Dauerlaufmusik, die immer als erstes läuft, ist aber das schöne Album "Zweilicht" der Band Kante. Damit läßt es sich trefflich durch Heidelberger Vororte voller Professorenvillen dauerlaufen. Ich stelle mir dabei immer vor, ich sei ein Heidelberger Professorensprößling und in dieser stillen, befriedeten Welt großgeworden und würde jetzt typischerweise diese Musik hören, was ich ja in der Tat auch tue,
auch wenn der Rest gar nicht stimmt. Aber Kante ist bei aller Schönheit typische Professorenkindermusik, was abwertend klingen mag, aber nur einordnend gemeint ist.

All das, was ich jetzt da so hingeschrieben habe, macht vielleicht keinen übergeordneten Sinn, aber an stillen, sonnigen Vorfrühlingstagen in Heidelberger Wäldern zwischen Professorenvillen und Kriegerdenkmälern muß das auch nicht sein. Ein Dauerlauf im Wald ergibt ja auch keinen höheren Sinn. Nur eine gewisse innere Ruhe.

Kommentare:

bjoern hat gesagt…

Habt eine schöne gemeinsame Zeit in Berlin!

d-trick.b hat gesagt…

Danke...
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